Klinker oder Pappe?

In Dulsberg wird seit einigen Monaten kräftig saniert. Viele Häuser erhalten komplett neue Wärmedämmungen, Abwasserleitungen und weiteren höheren Komfort. Gerade beim Innenausbau darf der Charme unseres Viertels nicht verloren gehen.

Beim Großprojekt an der Straßburger Straße, wird ein kleiner Trick ganz deutlich. Die alten Backsteinfassaden werden mit zentimeterdicken Dämmmaterialen beklebt. Darauf werden dann dünne Pappplättchen gelebt, die die alte Backsteinoptik zurück bringen.

Nur strahlen diese Attrappen nicht so grell rot, wie es typische Backsteine tun. Beim näheren betreten kann man zudem erkennen, dass hier keine echten Backsteine verbaut wurden. Wie das ganze nach Jahren aussieht, mag man sich als Nostalgiker gar nicht vorstellen.

Dulsberg könnte irgendwie leblos wirken. Dabei will der Stadtteil genau das Gegenteil bewirken und jünger daher kommen. Doch vielleicht kommt für weitere Bauprojekte Hilfe aus der Stadt. Die Umweltbehörde will Backsteinbauten fördern. So wurde ein Verein gegründet, der sich dem Thema annimmt. Zudem erhalten Bauherren statt der bisher 15 Euro, stolze 50 Euro (pro Quadratmeter), wenn sie auf die Pappfassade verzichten und dafür echte Backsteine verwenden.

Da Backsteinfassaden zu Hamburg – und Dulsberg – dazu gehören, ist es verständlich und gut, dass sich die Hansestadt für sein typisches Erscheinungsbild einsetzt. Nur muss für Bauherren auch weiterhin abgewägt werden, was – besonders bei Großprojekten – am Ende finanzgünstiger ist.

Vielleicht müsste die Stadt noch härter eingreifen und das “Überkleben” von alten Backsteingebäuden verbieten. Was meint ihr?

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